Prävention und klare Standpunkte verringern Übergriffe im Sport

Die Kampagne des DOSB zeigt Wirkung

Vielen sind die Skandale rund um die Odenwaldschule noch in Erinnerung, ebenso die verschiedensten Vorfälle in Kirchengemeinden. Meist dauert es lange, bis solche Übergriffe ernst genommen und an die Öffentlichkeit und vor Gericht gebracht werden. Im Schnitt muss jedes betroffene Kind rund 5 x Mal von einer akuten Situation erzählen bis es auf Gehör stößt und Hilfe erhält. Die Zahlen sind nach wie vor alarmierend: jedes  4. – 5. Mädchen und jeder 7. – 8. Junge wird Opfer von Übergriffen.  75 % der Täter sind dem betroffenen Kind bekannt. Die Umfelder sind unterschiedlichster Art. Dabei bildet der Sport keine Ausnahme, denn Umstände, wie Umkleidesituationen, Hilfestellungen sowie gemeinsame Ausfahrten bieten günstige Gelegenheiten für potenzielle Täter.

Der Begriff „sexualisierte Gewalt“, auf den sich auch der DOSB verständigt hat, beinhaltet neben sexualisierten Gewalthandlungen mit Körperkontakt auch grenzverletzendes Verhalten wie anzügliche Bemerkungen, verletzende Witze und vieles mehr.

In Zusammenarbeit mit der Deutschen Sportjugend und finanziert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung untersucht seit dem letzten Jahr das Projekt „Safe Sport“ die Häufigkeit und die Formen sexualisierter Gewalt im Wettkampf- und Leistungssport. Die bisherigen Ergebnisse bestätigen die oben genannten Zahlen: „ein Drittel der befragten Kadersportler_innen berichtet über Erfahrungen sexualisierter Gewalt“.  Diese Zahlen machen noch einmal deutlich, welche Verantwortung den Sportvereinen obliegt und welche Rolle sie als Impulsgeber für Präventions- und Hilfsmaßnahmen einnehmen können! Denn die Ergebnisse des Projektes zeigten auch auf:

  • In den Vereinen und an den Orten,  wo eine klare Haltung gegen sexualisierte Gewalt sichtbar  und glaubhaft kommuniziert wurde, ist die Gefahr für  junge Sportler_innen und Turner_innen, zum Opfer dieser Gewalt zu werden, deutlich geringer!

Gemessen daran ist jedoch die Nachfrage nach regelmäßigen Schulungen, die die meisten Landesverbände in Zusammenarbeit mit Beratungsstellen anbieten, sehr gering: in nur 9 % der Vereine werden diese Schulungen regelmäßig durchgeführt und nur die Hälfte der Vereine gab an, dass dieses Thema relevant für sie sei.

Die Deutsche Turnerjugend hat mit dem Kinder-und Jugendtelefon ein anschauliches Plakat für die Sportvereine entwickelt, um ein Zeichen zu setzen, gegen die Gewalt im Sport und für eine Kultur der Aufmerksamkeit. Dieses Plakat erhalten Sie kostenlos auf Anfrage in der VTF-Geschäftsstelle.

DOSB-Lehrfilm "kein Raum für Missbrauch im Sport"

Die DOSB-PRESSE meldete in dieser Woche die Bereitstellung eines neuen Lehrfilms des Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung. Dieser zeigt, wie Maßnahmen zum Schutz vor sexualisierter Gewalt in Sportvereinen entwickelt und dauerhaft angewendet werden können. Der mit Unterstützung der Deutschen Sportjugend (dsj) realisierte Spot richtet sich an Übungsleiter/innen, Trainer/innen und die Vorstände der Sportvereine in Deutschland. In den zweieinhalb Filmminuten werde beispielsweise die Bedeutung des achtsamen Umgangs mit den Grenzen von Mädchen und Jungen erläutert, warum Beschwerdestrukturen und Fortbildungen so wichtig sind und was ein Ehren- oder Verhaltenskodex im Verein leisten kann, heißt es in einer Mitteilung der dsj.

Zum Lehrfilm