Aktuelles
„Turner und Fußballer muss nichts trennen!“
(DOSB-Presse) DFB-Präsident Theo Zwanziger beim Deutschen Turntag 2009
„Turner und Fußballer muss nichts trennen!“ Dies war die Kern-Aussage des Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Theo Zwanziger, der bei der Eröffnung des Deutschen Turntages am 21. November 2009 in Koblenz vor rund 400 Abgeordneten den Hauptvortrag hielt.
Es war eine Premiere in der 200-jährigen Geschichte der Turnbewegung, dass ein Fußball-Präsident zu den Turnern sprach. Theo Zwanziger meinte dazu, dass es höchste Zeit sei. Nach dem bemerkenswerten Beitrag des DFB-Präsidenten sprach Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), in seinem Grußwort gar von einer „historischen Stunde“ des Sports.
Denn der Deutsche Turner-Bund (DTB) und der DFB, die als Spitzenverbände im DOSB zusammen mehr als elf Millionen Mitgliedschaften und mehr als 50.000 Vereine repräsentieren, hatten sich gegenseitig ihrer Partnerschaft als Fachverbände versichert und sich als „Dienstleister für Vereinsentwicklung“ im organisierten Sport definiert.
DTB-Präsident Rainer Brechtken erläuterte dieses Motto des Turntages: „Unsere ausschließliche und zentrale Aufgabe als Deutscher Turner-Bund im Verbund mit unseren Landesturnverbänden, Turngauen und Turnkreisen ist es, unseren Vereinen zu helfen, ihre Aufgaben als moderner Verein zu bewältigen. Deshalb sind wir Partner für Vereinsentwicklung.“
An dieser Stelle stieg Zwanziger ein, indem er betonte, dass auch der DFB als Fachverband Dienstleister für die Entwicklung seiner Vereine sein will: „Aber nicht in Konkurrenz zu Ihnen, sondern in der nüchternen Betrachtung der Realität der Vereinszugehörigkeit und der Maßnahmen und Projekte, die man tun kann, um den Vereinen und den dort ehrenamtlich tätigen Millionen von Menschen zu helfen und ihnen Freude an dieser Tätigkeit zu vermitteln.“ Er fügte hinzu: „Ich biete Ihnen die Zusammenarbeit mit dem Deutschen Fußballbund auf allen Ebenen an, auf denen wir uns sinnvoll ergänzen können. Und da gibt es eine ganze Menge.“
Als eine der Gemeinsamkeiten beider Verbände bezeichnete er die Entwicklung von Vorbildern im Spitzensport, um den Übungsleitern und Trainern im Verein Orientierung zu geben, wie sie ihre Schützlinge anleiten und erziehen können. Den Sport im Verein als sozial- und gesellschaftspolitische Aufgabe zu verstehen, nannte er als weitere große Übereinstimmung zwischen Turnern und Fußballern. Daraus leitete er die Kernaufgabe der beiden großen Verbände ab, „Wissen und Bildung für die Menschen an der Basis zu vermitteln, das sie in die Lage versetzt, ihre vielfältigen Aufgaben, die über das Sportfachliche hinaus gehen, gut zu machen.“ Dazu gehöre auch, so der DFB-Präsident, den Ehrenamtlichen vor Ort gegenüber der Politik den Rücken zu stärken, wenn die Politik dazu übergehe „am Sport zu sparen anstatt mit dem Sport zu sparen: „Unsere Ehrenamtlichen müssen das Gefühl haben, dass das, was man tut, wichtig ist für die Gesellschaft“, sagte Zwanziger.
In dem Bildungsansatz, über das rein Sportliche hinaus zu gehen, sah der der DFB-Präsident die Turnbewegung weiter entwickelt als die Fußballer und zollte an dieser Stelle seinen hohen Respekt vor der Leistung des DTB insbesondere in Bezug auf die Entwicklung des Breiten-, Freizeit- und Gesundheitssports in den Turnvereinen und Turnabteilungen. Er sagte dies auch vor dem Hintergrund, dass der DTB aktuell beim Turntag in Koblenz seinen umfassenden und umfangreichen Bildungsbericht vorgelegt hat.
Einen größeren Raum nahm das – auch biografisch geprägte - Plädoyer des DFB-Präsidenten für die Aufrechterhaltung des Mehrspartenvereins als solidarisches Organisationsprinzip im Sport ein. Besonders für die Entwicklung von Kindern sei es wichtig, verschiedene Sportarten in einem Verein ausprobieren oder gleichzeitig betreiben zu können. Die Grundlagenausbildung von Kindern formulierte er als ein weiteres Potenzial an Wissens-Austausch zwischen Turnern und Fußballern: „Es ist gut, wenn kleine Kinder am besten schon im Kindergarten turnen dürfen. Unser Sportdirektor sagt bei jeder Gelegenheit ˒mir wär's am liebsten, wir würden den Kleinen die ersten Jahre überhaupt keinen Ball gebenʿ, aber das geht natürlich nicht.“
Der DFB-Präsident definierte Vereinsentwicklung vor allem in Verbindung mit sportlicher und gesellschaftlicher Bildung, die von Toleranz, Integration, Fair Play und menschlichem Miteinander geprägt sei. So verstandene Bildungsarbeit von DFB und DTB bezeichnete er als eine große Chance des Sports, den nachfolgenden Generationen eine friedliche und lebenswerte Welt zu erhalten. Unter großem Beifall rief er den Abgeordneten des Turntages zu: „Machen Sie mit, Turner und Fußballer muss nichts trennen“.
Dieter Donnermeyer