07.09.2016

200 Jahre HT16

200 Jahre HT 16: Kurzweilige Geschichtsstunde des Vereinssports

Es war eine höchst gelungene, begeisternde Veranstaltung, mit der die Hamburger Turnerschaft von 1816 am 2. September im Rathaussaal der Hansestadt ihr 200jähriges Bestehen feierte. Die Mischung war es, die bei diesem „Senatsempfang“ überzeugte und die mit dem Blick auf andere Jubiläumsanlässe als vorbildlich genannt werden kann. Dass es sich um eine kurzweilige Geschichtsstunde handelte, kommt hinzu.

Kennzeichnend dafür waren zu Beginn der Auftritt der Showgruppe des Verbandes für Turnen und Freizeit mit der „modischen Zeitreise“ zu Beginn und die Darbietung auf dem Mini-Airtrack durch die Leistungsturnerinnen der Hamburger Turnerschaft von 1816 (HT 16) gegen Ende der eineinhalb-stündigen Veranstaltung.

Auch die Würdigung des 5000-Mitglieder-Vereins durch die politische Prominenz gelang zutreffend und ansprechend. Sowohl Innensenator Andy Grote als auch der Hamburger Soziologe und ehemalige DTB-Vizepräsident Prof. Hans-Jürgen Schulke lobten den Pioniergeist und die Vorreiterrolle der HT 16 im deutschen Sport. Immerhin wurde dessen Vereinswesen entscheidend angestoßen durch Neuerungen wie den Freizeit- und Gesundheitssport, den Koronarsport, durch die Aktivierung der Senioren, durch Kinderballett, Frauenfußball und (erstmals) Fitness-Studios im Verein. DOSB-Präsident Alfons Hörmann und DTB-Präsident Rainer Brechtken unterstrichen dies in ihren Beiträgen durch konkrete Beispiele aus der Vereinspraxis.

Auch bei vorsichtiger Einschätzung kann man den Auftritt Friedrich Ludwig Jahns als den Höhepunkt der Feierstunde einstufen. Ja, wirklich: Der jugendliche „Turnvater“ höchstpersönlich gab dem Jubilar und seinen rund 400 Gästen die Ehre. In Gestalt des Schauspielers Lars Ceglecki gestaltete er höchst lebendig, welch wilden Lebensweg Jahn ging, und vor allem, wie wichtig ihm das Ringen um Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit vor 200 Jahren war.

Selbstverständlich wurde deutlich, wie sehr er neben seinem politischen Wirken auch mit der „Erfindung“ des Turnens revolutionär war: Das öffentliche, über alle Standesgrenzen hinweg greifende Tummeln der jungen Burschen auf der legendären Hasenheide in Berlin, das selbst-bestimmt, selbstorganisiert und eher abenteuerlich war, jedenfalls nicht vom Drill bestimmt, wurde zur Urzelle des deutschen Vereinswesens. Dass seine Ideen in der Bürgerrepublik Hamburg so früh zündeten, lag nahe und musste wohl so sein.

Fazit: Bravo und weiter so! Bei dieser Verfasstheit machen wir uns keine Sorgen um die Zukunftsfähigkeit unserer Vereine.                                                                      

Hansgeorg Kling
(Quelle: DOSB-Presse)