01.12.2016

Eine Frau steht dem VTF vor

Dörte Kuhn als Nachfolgerin von Paul Gerhard Wienberg-Schaper gewählt

Nach 28 Jahren als Vorsitzender des Verbandes für Turnen und Freizeit (VTF), trat Paul Gerhard Wienberg-Schaper von seinem Amt zurück. Hamburgs größtem Fachverband mit 166.0000 Mitgliedern  -  und davon 75% weibliche  Aktive -  steht seit Mittwoch, dem 30. November 2016 eine Frau vor. 61 anwesende Stimmberechtigte wählten auf dem außerordentlichen Verbandstag einstimmig Dörte Kuhn (47Jahre) als seine Nachfolgerin.

Die damit herbei geführte Konstellation im VTF ist ein Novum unter den 22 Landesturnverbänden in Deutschland. Erstmalig sind alle drei Führungspositionen (Vorsitz Verband, Vorsitz Turnjugend und Geschäftsführung) weiblich besetzt.

Rund 120 Personen waren der Einladung des Verbands in den Olympiasaal im Haus des Sports gefolgt, um die Wahl zu begleiten und im Rahmen eines anschließenden Ehrenempfanges Paul Gerhard Wienberg-Schaper für sein Engagement zu danken.

Dass Dörte Kuhn etwas bewegen will und sie auch die notwendige Entschlossenheit und das Rüstzeug  dafür besitzt, hat die neue Vorsitzende im Verband bereits als Kandidatin eindrucksvoll in ihrer Bewerbungsrede dargelegt. Sie wolle „das Schiff  VTF, das sich derzeit in unruhigen Gewässern befände, wieder in ruhigeres Fahrwasser rudern.“  Ihre hohe Kompetenz hat die  Bewegungstherapeutin, Heilpraktikerin, Yogalehrerin und Fachjournalistin bereits in ihrer Arbeit für den VTF als Referentin und Mitglied im Lehrausschuss sowie als Vorsitzende des Frauenausschusses unter Beweis gestellt. Der gesamte Vorstand hatte ihr vor der Wahl sein Vertrauen ausgesprochen.

Die Position der ehrenamtlichen Vorsitzenden wird zukünftig viel Zeit beanspruchen. Nicht umsonst hat Kuhn die Metapher des wankenden Schiffes gewählt. Mit dem schwebenden Ausstieg des 70.000-Mitglieder-Vereines Sportspaß sowie den Forderungen nach struktureller Neuorientierungen des Verbands durch die größten Mitglieds-Vereine, stehen maßgebliche Entscheidungen an. Verbesserte Kommunikation und Arbeitseffizienz sieht die Bewegungsexpertin als Voraussetzung, um mit „gestärktem Ruderschlag“ das Flaggschiff VTF voranzubringen.

Auch Paul Gerhardt Wienberg-Schaper, Inhaber des Bundesverdienstordens hatte die Wahl von Kuhn befürwortet und freute sich sichtlich als er seiner Nachfolgerin direkt nach der Wahl gratulierte. Seine jahrzehntelange Arbeit für den VTF, die bereits vor über 50 Jahren begann, wurde anschließend ehrenvoll dargestellt und gewürdigt. DTB-Ehrenpräsident Rainer Brechtken, HSB Präsident Dr. Jürgen Mantell und Gerlinde Reeker als VTF-Geschäftsführerin schilderten seine Errungenschaften um den Turnsport und die Sportentwicklung in ganz Deutschland. Dazu gehörten unter anderem seine Rolle als Reformator des Kinderturnens in ganz Deutschland, seine Verdienste um das Freizeitsportkonzept, das im VTF heute noch immer als Leitbild fungiert sowie sein kreativer Einfluss beim Deutschen Turnfestes 1994 in Hamburg und bei der Hamburger Olympiabewerbung für die Spiele in 2012.