29.01.2018

Hamburger Frisbee Sportlerinnen erfolgreich bei U24 Ultimate WM

Vier Hamburger Damen des Ultimate Teams „Seagulls“ kehrten glücklich und mit vielen neuen Erfahrungen mit Platz sechs von den World U24 Ultimate Championship in Perth / Australien (7. -13. Januar 2018) zurück. Sie sind damit Mitglied des besten europäischen Teams. Im Verlauf des Turniers konnten sich die jungen Spielerinnen sowohl als Mannschaft, als auch individuell enorm steigern und zeigten ihr Potenzial, das noch einiges von ihnen erwarten lässt. Die Erfahrungen der vier Hamburgerinnen sind eine Bereicherung für die Teams der Fischbees und werden die Bedeutung in der Ultimate-Gemeinschaft Deutschlands stärken. Der Verein Fischbees ist mit seinen Frisbee-Sportlern seit 2015 Mitglied im VTF.

Die Nationalspielerinnen aus Hamburg - Inga Narjes, Anna-Lea Baumgärtner, Katrin Duttlinger und Frederike Wagener - berichten vom Turnierverlauf und ihren Erlebnissen in Perth:

Gleich vier Jungmöwen des Hamburger Damen Ultimate Teams „Seagulls“ breiteten nach Silvester die Flügel aus und flogen nach Australien, denn in Perth fanden vom 7. Januar bis zum 13. Januar 2018 die U24 Weltmeisterschaften im Ultimate Frisbee statt. Nach zwei Jahren Vorbereitung, unzähligen Stunden im Fitnessstudio, Sprinteinheiten, Trainingslagern und Vorbereitungsturnieren sind wir endlich am Ziel dieser langen Reise angekommen. Lang war dieser Weg definitiv – wir haben nachgerechnet: circa 8560km haben wir im Laufe dieser Vorbereitung auf deutschen, niederländischen und belgischen Straßen hinter uns gebracht. Das ist mehr, als eine Umrundung Australiens (ca. 6500km).

Umso größer war die Vorfreude, als am 3. Januar 2018 das gesamte Team in Perth zusammenkam, um die letzten Tage der Vorbereitung abzuschließen.  Vier Tage Zeit, sich zu akklimatisieren, den Jetlag zu überwinden und die ein oder andere Trainingseinheit zu absolvieren. Ein erster Höhepunkt war ein Testspiel gegen Sublime Ultimate, einem lokalen Team aus Perth. Mit viel Energie und bereits gut funktionierenden Spielzügen konnten wir das Spiel deutlich für uns bestimmen und allen war klar, da war noch viel Luft nach oben. Mit dieser Gewissheit fieberten wir alle der WM entgegen.

Am Tag der Eröffnungszeremonie zogen schließlich alle mit gepackten Sporttaschen und Deutschlandfähnchen zu den Feldern des UWA Sportparks in Perth. Einzig der krankheitsbedingte Ausfall von gleich vier unserer Spielerinnen trübte ein wenig die Stimmung – da sich alle mittlerweile jedoch wieder auf dem Weg der Besserung befanden, konnten wir zuversichtlich sein, dass sie im Laufe des Turniers wieder mit uns auf dem Feld stehen konnten. So starteten wir mit zwar dezimiertem Kader, aber viel Elan in unser erstes Spiel gegen die Neuseeländerinnen, in welchem wir souverän dominieren konnten (15:3).

Mit einem so deutlichen Sieg ins Turnier zu starten gibt einem ein gutes Gefühl, auch wenn man weiß, dass die kommenden Gegner bei weitem nicht so leicht zu bezwingen sein werden. Entsprechend ernst nahmen wir am zweiten Spieltag auch unseren nächsten Gegner: Österreich – man kennt sich. Nach einem anfänglich recht ausgeglichenen Spiel gelang es uns schon in der ersten Halbzeit mit 8:3 in Führung zu gehen. Schlüssel für diese Leistung war ganz klar unsere immer besser funktionierende Verteidigung. Durch konsequente Ausnutzung von gegnerischen Fehlern gelang uns ein verdienter 15:7 Sieg gegen die Österreicherinnen.

Am Nachmittag wartete mit Kanada dann ein starker Gegner auf uns. Neben den USA zählt Kanada zu den stärksten Ultimate-Nationen und spielt in der Regel immer mit um die oberen Plätze. Mit entsprechendem Respekt begegneten wir den Kanadierinnen in diesem Spiel, konnten zunächst jedoch gut mithalten. Erst kurz vor der Halbzeit gelang es Kanada, sich abzusetzen und diesen Vorsprung auch im weiteren Spielverlauf zu halten: 9:15 für die Kanadierinnen. Trotz der Niederlage gingen wir gestärkt vom Feld, denn wir konnten unser Zusammenspiel enorm steigern.

Am dritten Spieltag stand uns Japan gegenüber. Ein starkes Team mit einer uns völlig ungewohnten Spielweise aus sehr vielen schnellen, kurzen Pässen, die zu unterbinden uns sichtlich Mühe kostete. Wir brauchten zu lange, um uns an dieses Spiel zu gewöhnen und verloren 10:15.

Mit einem Spiel gegen die USA startete dann unser vierter WM-Tag. Ein Spiel außer Konkurrenz – die Amerikanerinnen waren bisher ungeschlagen auf diesem Turnier. Dennoch wollten wir doch mal sehen, wie viel wir der alljährigen Nummer Eins entgegensetzen konnten. Wir brauchten eine Weile, um den großen Respekt gegenüber der USA abzuschütteln, wurden nach und nach immer sicherer und schafften zum Schluss sogar noch drei Punkte in Folge, bevor die Amerikanerinnen das Spiel mit einem 15:8 Sieg beendeten. Mit der Leistung konnten wir durchaus zufrieden sein und erwarteten in nahezu euphorischer Stimmung das nächste Spiel gegen die Philippinen.

Enorm zunehmender Wind stellte schon vor dem WarmUp klar, dass dies kein klassisches Spiel werden würde. Wer einmal versucht hat, eine Frisbee bei Wind zu werfen, der weiß, wie ungenau die Würfe werden und plötzlich aufkommende Böen die Flugbahn beeinflussen. Wir stellten uns also schon vor dem Spiel auf viele Scheibenverluste (Turnover) auf beiden Seiten ein und bekamen die Ansage: „Kein Kurzpassspiel!“. Gesagt, getan, das Spiel begann und wir stellten fest, dass unsere Gegnerinnen auf die gleiche Strategie setzten. Eine großzügige Raumverteidigung und bei Scheibenbesitz lange Pässe, um Raumgewinn zu erzielen. Bis zum 4:3 blieb es ein enges Spiel mit diversen Turnovern und nicht ganz ohne Frust. Danach bekamen wir ein besseres Gefühl für den Wind und ließen die Philippinen zu keinem Punkt mehr kommen. Mit 13:3 gewannen wir das Spiel und können stolz hinzufügen, dass wir Hamburgerinnen als winderprobte Spielerinnen einen großen Anteil an diesem Ergebnis hatten.

Weiter geht’s an Tag 5. Mit Großbritannien stand uns wieder ein europäisches Team gegenüber. Bei nur wenig Wind und trotz einer anfänglich schwächelnden Verteidigung fanden wir schnell ins Spiel und waren in der Lage, das Spiel mit 15:9 zu beenden.

Am Nachmittag kam wieder heftiger Wind auf und wir mussten uns gegen Singapur erneut damit abfinden, dass saubere Pässe und taktisches Spiel nicht zum Sieg führen würden. Also wieder Raumverteidigung, Scheibe gewinnen, lang Werfen – Repeat. Auch diesmal ging diese Strategie auf. Nach einem langen Kampf gegen den Wind fuhren wir mit einem 11:4 Sieg zurück ins Hotel.

Am sechsten Spieltag ging es um alles. Mit Kolumbien und Australien standen uns starke Gegner bevor und beide mussten geschlagen werden, um ins Halbfinale zu kommen. Entsprechend hart umkämpft war das Vormittagsspiel gegen Kolumbien. Mit einem durchweg engen Punktestand blieb es bis zum Schluss spannend, bevor die Kolumbianerinnen letzten Endes doch das Spiel mit 12:10 für sich entscheiden konnten. Eine Enttäuschung, die jede von uns erstmal verdauen musste.

Auch im Spiel gegen Australien war noch zu spüren, wie sehr uns diese Niederlage mitgenommen hat; - zumal wir mittlerweile auch körperlich an unsere Grenzen stießen. 10 Spiele innerhalb von sechs Tagen sind auch für gut trainierte Spielerinnen kein Zuckerschlecken und so zog Australien uns schon zu Beginn des Spiels davon, bevor wir nach der Halbzeit nochmal alle Kräftereserven bündelten, um ein Comeback zu starten. Leider zu spät, die Australierinnen gewannen verdient mit 15:9.

Damit verabschiedeten wir uns mit einem sechsten Platz aus dem Turnier und können rückblickend erhobenen Hauptes nach Hause fliegen. Als bestes europäisches Team haben wir uns im Laufe des Turniers sowohl als Mannschaft, als auch individuell enorm steigern können und gezeigt, dass wir das Potenzial haben, auch noch weiter oben mitzuspielen. Mit gleich vier Hamburger Spielerinnen im Kader der U24-Nationalmannschaft ist dieses Abschneiden doppelt erfreulich, da wir mit den neu gewonnenen Erfahrungen unser Heimteam bereichern und gleichzeitig Hamburgs Bedeutung in der Ultimate-Gemeinschaft Deutschlands stärken können.

Ein typischer Turniertag in Australien

Je nach Spielbeginn ist das Frühstück zwischen 7Uhr und 9Uhr angesetzt - spätestens um 7:30Uhr ist es aber eh zu warm zum Schlafen. Nach dem Essen zieht man sich in der Regel nochmal auf die Zimmer zurück, um die Tasche zu packen, Mittagessen vorzubereiten und sich mental auf den Tag einzustellen. Zwei Stunden vor Spielbeginn fahren wir gemeinsam mit Mietwagen zu den Feldern – Achtung, Linksverkehr! In den letzten 30 Minuten vor dem Warmup wird reichlich Sonnencreme aufgetragen, getaped, massiert, gewitzelt und gelacht was das Zeug hält. Regelmäßig sind „Hydration Game“-Rufe zu hören, als Erinnerung daran, genug Wasser zu trinken. Pünktlich 60 Minuten vor Spielbeginn heißt es dann „Gametime!“. Die eigens erstellte Warmup-Playlist wird abgespielt und von nun an gilt es, sich auf das kommende Spiel zu fokussieren. Einlaufen, Dehnen, Muskeln aktivieren und stabilisieren, einwerfen – und Wasser trinken nicht vergessen.

Die Captains der Teams machen aus, wer mit dem Angriff startet und von welcher Spielfeldhälfte begonnen wird. Danach gibt es eine letzte Ansprache von den Trainern und das Spiel beginnt. Dabei wird nicht nur auf dem Feld gearbeitet, sondern auch daneben.  Wer nicht auf dem Feld steht, unterstützt die Mitspielerinnen von der Seitenlinie aus – sei es durch taktische Ansagen, Richtungsangaben oder einfach nur Anfeuerungsrufe.

Nach dem Spiel wird Bilanz gezogen. Was war gut? Was kann verbessert werden? Und was ist das Ziel für unser nächstes Spiel? In der Zeit bis zum zweiten Spiel gilt es dann, sich so gut wie möglich zu regenerieren. Auslaufen, dehnen, etwas essen, trinken, Sonnencreme neu auftragen und im Schatten bleiben - bei Temperaturen zwischen 30 und 40 Grad möchte man ohnehin nichts anderes.  Wenn gerade ein anderes deutsches Team (Open oder Mixed) spielt, suchen wir uns den besten Schattenplatz am Feld, fiebern mit und feuern an, bevor wieder zur Ordnung gerufen wird und sich die Routine des Warmups wiederholt.

Abends schaffen wir es in der Regel gerade noch so zum Abendessen, welches mit Heißhunger genossen wird. Chapeau an die Köche unserer Unterkunft; - sie haben sich wirklich Mühe gegeben! Nach dem Essen kommt das gesamte Team noch einmal zu einer abendlichen Besprechung zusammen und lässt den Tag Revue passieren. Wer noch von unserem Physio behandelt werden muss, reiht sich danach in die Warteschlange ein und erfreut sich an den Grimassen der Mitspielerinnen während Muskeln gelockert und Blessuren behandelt werden – zumindest solange, bis man selbst an der Reihe ist. Spätestens danach fallen einem schon die Augen zu, dennoch kämpfen sich die meisten von uns noch durch eine Runde „Rollen“. Dabei wird vor allem die Beinmuskulatur mit einer Faszienrolle bearbeitet, was die Regeneration anregt und Verletzungen vorbeugt. Danach wird nun aber wirklich das Licht ausgemacht. Der nächste Tag wird immerhin genauso anstrengend.

Was ist eigentlich Ultimate?

So und jetzt fragt ihr euch vielleicht: "Was ist eigentlich Ultimate?". Genau, das ist das Problem. Unser Sport ist großartig, athletisch, schnell, spannend und – super unbekannt. Es handelt sich um eine körperlose Teamsportart, die 7 gegen 7 auf einem Rasenplatz mit zwei Endzonen gespielt wird. Ziel ist es, die Frisbee in der gegnerischen Endzone zu fangen (Punkt), ohne dabei mit der Scheibe in der Hand zu laufen oder sie an den Gegner zu verlieren. Selbst auf Nationalteam-Niveau gibt es kaum Sponsoring, obwohl es inzwischen schon im Gespräch als neue Sportart für die olympischen Spiele 2024 ist. Die Möglichkeit in Stadien mit Zuschauern zu spielen gibt es für gewöhnlich nur für männliche Spieler in den USA. Dort ist der Sport wesentlich größer und es gibt eine Profiliga. Die amerikanischen Teams werden stark gesponsert und dominieren in der Regel die internationalen Turniere. Mehr Unterstützung für deutsche Teams könnte deren Möglichkeiten erweitern.

In jeder größeren Stadt Deutschlands gibt es mittlerweile einen Ultimate-Verein oder zumindest eine Sparte. Eine Weltstadt wie Hamburg ist in dieser Hinsicht auch ganz weit vorne. 2000 wurde der 1. Frisbeesport Club Hamburg Fischbees 00 e.V. gegründet und ist mittlerweile der größte Frisbeesportverein Deutschlands. Neben Ultimate werden hier auch Discgolf und Freestyle praktiziert. Seit 2005 gibt es außerdem eine Sparte „Ultimate Frisbee“ in der Sportvereinigung Polizei Hamburg (SVP) und auch im Hochschulsport wird schon seit Jahren Ultimate gespielt.

Dank der Größe und Lebhaftigkeit der Hamburger Ultimate Szene bringt der 1. FC Fischbees Hamburg immer wieder Nationalspieler*innen in verschiedensten Divisionen und Altersklassen hervor.  So sind in den letzten Jahren sowie auch aktuell in vielen deutschen Nationalteams Hamburger Spieler*innen zu finden.

Unterstützer gesucht!

Das Hamburger Damenteam „Seagulls“ bereitet sich aktuell auf die World Ultimate Club Championships (WUCC) in Cincinnati, USA, vor. Damit wird die Stadt Hamburg im Juli 2018 erneut auf einem absolut hochklassigen internationalen Turnier vertreten sein. Auch hier kommen wieder hohe Kosten (Turniergebühren, Flug, Unterkunft, Vorbereitung…) auf die Spielerinnen zu, die zum größten Teil selbst getragen werden müssen. Vor allem die Studierenden unter uns haben es da schwer und sind auf Hilfe angewiesen.

Falls Sie uns auf dieser Reise unterstützen möchten oder jemanden kennen, der das gerne tun würde, freuen wir uns über eine Spende an unser Vereinskonto: 

  • Empfänger: 1. Frisbeesport Club Hamburg Fischbees 00 e.V.
    IBAN: DE66200505501281128478
    BIC/SWIFT: HASPDEHHXXX (Hamburger Sparkasse)

    VWZ: Seagulls WUCC 2018

Oder eine Nachricht von Ihnen an seagulls@hamburg.de oder telefonisch (zwischen 18 und 21Uhr) unter 0176/32228301

Weitere Infos über uns und unseren Verein finden Sie unter

www.fischbees.de