13.08.2018

Fitness und Inklusion: Alle können dabei sein!

Interview mit EASY-Fitness Referentin Christina Göpfert

Im Sportverein haben wir die Möglichkeit, verschiedene Menschen zusammenzubringen – es braucht nur das richtige Bewegungsangebot. Christina Göpfert ist Diplomsportwissenschaftlerin, verfügt über jahrelange Erfahrung im Gesundheits- und Fitnesssport und leitet den Bereich „Sport und Inklusion“ der Evangelischen Stiftung Alsterdorf in Hamburg. Für den VTF wird sie im Januar eine Fortbildung mit dem  Namen EASY FITNESS anbieten Wir haben sie zum Interview eingeladen:

Wie bringt man Sporteinsteiger, Senioren und Menschen mit Einschränkungen im Verein am besten in einem Fitness-Angebot zusammen?

Christina Göpfert: Indem die Ausschreibung gut formuliert ist, z.B. „Der Kurs richtet sich an Sporteinsteiger, und Menschen mit Behinderung sind herzlich willkommen.“ Auch eine genaue Beschreibung der Inhalte hilft häufig dabei, die Angst zu nehmen, sich zu überfordern oder zu blamieren. Beispiel: „Dieser Kurs richtet sich an alle Sporteinsteiger! Wir starten mit einem ca. 20-minütigen, leichten Ausdauertraining mit anschließenden leichten Kräftigungsübungen für die Rücken-, Gesäß- und Bauchmuskulatur. Motivierende Musik sorgt für Spaß und gute Laune“. Egal, ob eine körperliche, sportliche oder geistige Barriere vorhanden ist, wir stellen uns darauf ein, und alle sollen Spaß am Sport haben.

Hast du schon selbst Inklusionsgruppen angeleitet, und welche Erfahrungen machst du dabei?

Christina Göpfert: Ja, wie in jeder heterogenen Gruppen sollte die Kursleitung jeden mitnehmen und variabel sein. Meine Erfahrung ist auch, dass inklusive Gruppen für alle Teilnehmer_innen sehr bereichernd sind. Menschen mit Behinderung freuen sich darüber, endlich mal mitmachen zu dürfen und gefordert zu werden. Menschen ohne Behinderung finden es in der Regel auch bereichernd, ihren Blickwinkel zu erweitern. Außerdem steht die Leistung bzw. eine Bewertung wie gut und schlecht nicht im Vordergrund, sondern  die Tatsache, dass jeder so mitmacht, wie es geht. Nach einigen gemeinsamen Trainingsstunden ist es sowieso normal und gar kein Thema mehr, dass auch Menschen mit Behinderung mitmachen.

Was ist das Besondere am EASY FITNESS?

Christina Göpfert: Es geht darum, Fitness-Übungen so zu variieren, dass alle mitmachen können. Beispiel Bauch: von leicht zu schwer je nach Teilnehmer anzubieten.

Worauf sollte besonders geachtet werden, bzw. wo liegen entscheidende Unterschiede zu Standardstunden im Verein?

Christina Göpfert: Es sollte eben wie oben beschrieben nicht die Leistung im Vordergrund stehen. Auch kann es im Kindergruppen hilfreich sein, wenn zwei Übungsleiter_innen dabei sind.

Braucht ein/e Übungsleiter_in eine besondere Ausbildung, um eine Inklusionsgruppe zu unterrichten?

Christina Göpfert: Es kommt auf die Vorerfahrung und die Gruppen an: Manchmal reicht es, mehr Varianten einer Übung zu kennen. Hilfreich ist es auch, verschiedene Formen von Behinderungsarten zu kennen und zu wissen, welche Besonderheiten es gibt (Down-Syndrom hat manchmal Herzschwäche oder keinen Tonus, Formen von Autismus etc.).

Gibt es für Inklusionsgruppen Förderungsmöglichkeiten für den Sportverein?

Christina Göpfert: Ja, bei 25% Anteil von Menschen mit Behinderung gibt es Möglichkeiten, Zuschüsse zu beantragen. In unserem Lehrgang informieren wir über die entsprechenden Verfahren.

VTF-Fortbildung der Gym-Akademie:  EASY FITNESS

findest wieder 2019 statt. Das neue Gym-Akademie-Programm erscheibt Anfang November 2018.